Zu den Plagiatsvorwürfen in "Der Minister":

Nach dem Candystorm zu meinem Drehbuch kommt nun also der Shitstorm der Presse, allerdings nicht wie vielleicht erwartet von Guttenberg selbst oder der Bild-Zeitung. Diese nehmen es tatsächlich mit Humor, in großem Umfang meine Inspirationsquelle gewesen zu sein. Chapeau! Auch der von mir zitierte Titanic-Autor Oliver Maria Schmitt amüsiert sich in der FAZ: Die Drehbuchautorin habe ihm vielmehr „ein großes Lob ausgesprochen, indem sie meinen Text offenbar genau studiert hat“. Ich verneige mich tatsächlich vor der Titanic und dem Spott, den sie über zu Guttenberg ausgegossen haben, als andere diesen noch „gutt“ fanden. Sie hat sicherlich als erste das satirische Potential der Auftritte des Ehepaars zu Guttenberg erkannt. Nur sorry, liebe Titanic, den Ausdruck „Granatenwitz“, den ihr urheberrechtlich für euch reklamiert, hat schon meine Oma benutzt.

Natürlich ist in diesem Film fast jeder Satz nicht von mir, und das ist hoffentlich der Spaß für den Zuschauer. Ich zitiere Schiller, Mao, Schilly, Wilhelm Busch, Wowereit, Star Trek, Nixon, Gerhard Schröder, Yes Minister, Wehner, Bismarck, Wolf von Lojewski, Seehofer, Loriot,  Machiavelli, Jesus, Peer Steinbrück und viele andere. Das wird mir „Schönplag“ sicherlich demnächst alles nachweisen. Auch szenisch habe ich mich mit fremden Federn geschmückt: Das Rütteln am Kanzleramt, das Foto auf dem Dinosaurier, der Auftritt auf dem roten Teppich in Kampfmontur -  nichts davon habe ich selbst erfunden. Der ganze Film arbeitet mit dieser Technik, und man lacht (hoffentlich), weil man vieles wiedererkennt.

„Der Minister“ greift nicht nur den Fall Guttenberg satirisch auf, sondern reflektiert auch seine mediale Berichterstattung: Hunderte von Artikeln, Schlagzeilen, Titelblättern, Bundestagsreden, Internetwitzen, Szenen aus Fernsehshows, Preisverleihungen und Pressekonferenzen dienten mir als Arbeitsmaterial. Selbst die Kanzlerin („Ich habe Guttenberg ja nicht als wissenschaftlichen Mitarbeiter eingestellt.“) hat mir gute Pointen geliefert. Aber wenn mir jemand eine Rechnung zuschicken könnte, dann wäre es wohl nur zu Guttenberg selbst, der zweifellos die besten Bonmots beigetragen hat („Ich traue den Politikern nur so weit, wie ich einen Konzertflügel schmeißen kann.“). Und ich bekenne: Die Behauptung, dass die Leute nicht wissen wollen, wie Gesetze und Würste gemacht werden, habe ich bei Aaron Sorkin in „West Wing“ abgekupfert. Allerdings hat er den Satz auch nicht erfunden, der stammt nämlich von Bismarck, dem Ururgroßvater von Stephanie zu Guttenberg. So schließt sich der Kreis.

Mein Vorschlag, dass Sat1 den Film mit Untertitel sendet, die die jeweiligen Quellen benennen, wurde als optisch störend verworfen. Aber man hat mir versichert, dass das auch nicht nötig sei, da ich ja schließlich keine Doktorarbeit geschrieben hätte. Doch genau dieser Maßstab scheint jetzt von der FAZ an meine Satire angelegt zu werden. Klar: Der Gag, mein Drehbuch über einen Plagiator als Plagiat zu bezeichnen, war wohl zu verführerisch. Und diese Behauptung schreibt jetzt ein Journalist vom nächsten ab. Und oft sind die, die sich mokieren, dieselben, die es großartig finden, wenn Tarantino oder die Simpsons ohne jede Fußnote die Filmgeschichte rauf und runter zitieren.

Ich bin weiterhin bereit zu kämpfen und habe die Grenzen meiner Kräfte noch nicht erreicht (Oh Gott, hat sich da etwa schon wieder ein Plagiat eingeschlichen?!). Aber natürlich weiß ich, dass es müßig ist, solche Vorwürfe aus dem Netz entkräften zu wollen. Sowenig, wie man ein Rührei wieder in ein Spiegelei verwandeln kann.

Aber könnte ich meine Kritiker überhaupt jemals zufriedenstellen? Vielleicht sollte ich, solange die Vorwürfe gegen mich nicht gerichtlich überprüft sind, das „Dr.“ aus meinem Namen streichen?

D o r o t h e e   S c h ö n 
(nach Diktat verreist)

PS: Ich habe fertig. Harry, fahr schon mal den Wagen vor.




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